Mittwoch, den 22. November 2017

Heidelberger Geographische Gesellschaft e.V.

Prof. Dr. Matthias Winiger

Wie sicher sind Pakistans Wasserressourcen? Drängende Fragen an Wissenschaft, Politik, Wirtschaft


Pakistan ist in unserer Wahrnehmung geprägt durch eine überaus problematische innen- und außenpolitische Konstellation. Für die Zukunft des Landes aber ebenso entscheidend ist die Wasserfrage. Der Indus und seine Zuflüsse sind die Basis für die weltweit größte zusammenhängende Bewässerungsoase, für die Wasser- und Energieversorgung der Siedlungen und Wirtschaft Pakistans. Hindukusch, Karakorum und Himalaya sind die wichtigsten Quellregionen der Wasseradern. Kontrolle und Nutzung dieser zentralen Ressourcen belasten die Beziehungen zwischen Pakistan und Indien, zwischen den innerstaatlichen Provinzen, zwischen Großgrundbesitzern und Kleinbauern, Oberliegern und Unterliegern. Schlechtes Wassermanagement, die enorme Bevölkerungszunahme und die Ungewissheit über einen möglichen Einfluss des Klimawandels auf die Eis-, Schnee- und Wasserspeicher in den Quellbereichen, führen in allen Szenarien zu überaus kritischen Verhältnissen mit einer weiteren Destabilisierung der gesellschaftlichen und politischen Situation.
In drei Bereichen sind enorme Anstrengungen unerlässlich. Zum Ersten: Die Forschung ist gefordert, den Wasserhaushalt der Hochgebirge, insbesondere die Bedeutung von Eis, Schnee, Niederschlag sowie deren Dynamik zu erfassen. Zweitens: Das Management der gigantischen Indusoase und die Nutzungseffizienz von Siedlungswasserwirtschaft und Energieproduktion müssen grundlegend verbessert werden. Zum Dritten und wohl am schwierigsten: die Lösung der rechtlichen Fragen um Zugang und Nutzung von Oberflächen- und Grundwasser. Sie sind zu einer der zentralen Herausforderungen an die traditionellen Gesellschaftsstrukturen geworden.