Sonntag, den 24. September 2017

Heidelberger Geographische Gesellschaft e.V.

Prof. Dr. Jürgen Oßenbrügge

Ressourcen in tödlichen Netzwerken. Implikationen des globalen Wandels mit Beispielen aus Afrika


In der Friedens- und Konfliktforschung bestehen zwei Zugänge, um das Ver­hältnis zwischen Ressourcen und Gewalt zu erklären. Zum einen findet der Begriff „Ressourcenfluch“ eine prominente Beachtung auch in der Debatte über die „neuen Kriege“. Er macht auf die paradoxe Situation aufmerksam, dass in ressourcenreichen Regionen oft lang anhaltende und blutige Kon­flikte ausgetragen werden. Häufig wird dabei auf die Brutalität rein lokal erscheinender Verhältnisse verwiesen, die mit „warlords“, Kindersoldaten und systematischer sexueller Gewalt verbunden werden. Der gewaltförmige Umgang mit Rohstoffen ist aber auch mit überlokalen Transportketten oder globalen Produktionsnetzen verflochten, womit weitere Gewaltakteure in den Fokus der Betrachtung rücken. Zum anderen finden derzeit Argumente zu den möglichen Folgen der Ressourcenverknappung große Aufmerksamkeit. Die Verbindung zwischen Bevölkerungswachstum, schädigenden Folgen des Klimawandels und bestehendem Umweltstress könne eine zukünftige Ursache von Kriegen werden und einige Regionen Afrikas werden bereits als Austragungsorte von „Klimakriegen“ benannt. In der Folge haben Ressour­cenverknappungen neue geopolitische Sicherheitsstrategien besonders in den USA und Europa erzeugt. Die Verursacher des Klimaproblems markieren „hot spots“ der Ressourcenfrage im Globalen Süden, die wie im „Krieg gegen den Terror“ zu kontrollieren seien. In Auseinandersetzungen mit regionalen Beispielen Afrikas beleuchtet der Vortrag beide Zugänge zum Ressourcenthema.