Sonntag, den 24. September 2017

Heidelberger Geographische Gesellschaft e.V.

Prof. Dr. Martin Coy

Im Griff der Globalisierung. Agrobusiness und Regionalentwicklung in Mato Grosso (Brasilien)


Seit den 1980er Jahren hat sich der vormals absolut periphere Bundesstaat Mato Grosso im Übergang des brasilianischen Mittelwestens nach Amazoni­en zu einer der wichtigsten Regionen des Sojaanbaus entwickelt. Ursprüng­lich durch private Siedlungsunternehmen erschlossen, haben zwischen­zeitlich hochmoderne, ausschließlich weltmarktorientiert wirtschaftende Großfarmen südbrasilianischer Farmer von den Baumsavannenregionen am Südrand Amazoniens Besitz ergriffen. Manche der Pionierstädte des nördli­chen Mato Grosso gelten heute als die Zentren der ökonomisch besonders dynamischen und erfolgreichen Regionen Brasiliens. Diese Erfolgsgeschich­ten sind jedoch mit erheblichen sozialökologischen Kosten verbunden. Die Abhängigkeit von den globalen Märkten führt zu besonderen Verwundbar­keiten, zur Verdrängung derjenigen, die mit der globalisierten Landwirt­schaft nicht mithalten können, und zu permanentem Anpassungsdruck. So sind die letzten Jahre beherrscht von Großprojekten zum Ausbau logi­stischer Infrastrukturen (insbesondere dem Fernstraßenbau und der Anlage von Privathäfen am Amazonas), die die Einbindung der Region in globale Wertschöpfungsketten erleichtern und garantieren sollen. Das dadurch ver­ursachte sozialökologische Konfliktpotenzial ist enorm. Das widersprüch­liche Spannungsverhältnis zwischen wirtschaftlichem Erfolg, sozialer Ver­drängung und ökologischer Degradierung sowie die Frage nach alternativen Entwicklungspfaden stehen im Zentrum des Vortrages.